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Mein Steuer-Rad

Wie steuerst du durch dein Leben?

Wem überlässt du die Verantwortung?

Für was übernimmst du die Verantwortung?

 

Heute am Montagmorgen fällt mein Blick auf die Karte MEIN STEUER-RAD aus der Gewaltfreien Kommunikation.

Sie ist klar strukturiert in …

Ich habe Verantwortung für das, WAS ICH STEUERN KANN.

Aspekte und Dinge AUSSERHALB meiner Verantwortung.

 

Es liest sich angenehm und schon fast befreiend – AUSSERHALB MEINER VERANTWORTUNG liegen

💢 Gefühle anderer

💢 Äußerungen anderer

💢 Handlungen anderer

💢 Umgang anderer, mit Situationen und Menschen

💢 Reaktionen anderer auf mein Verhalten

💢 Entscheidungen anderer

💢 Geschehenes

💢 Das Wetter

 

Bei „WAS KANN ICH STEUERN“ gehen plötzlich meine Erinnerungen einige Jahre zurück.

 

Auf einmal stehe ich in der Kirche. Links neben mir, der Sarg meines Vaters.

Mein Blick wandert durch die Reihen. Meine Frau, meine Kinder, Angehörige und die vielen Trauernden. Alle schauen mich erwartungsvoll an. Meinen Kindern kullern die Tränen durchs Gesicht.

So klar und gefasst war ich die ganzen Tage nicht gewesen.

 

„Wollen Sie wirklich am Sarg ihres Vaters sprechen?“ fragte mich der Pastor, als wir zur Vorbereitung auf die Beerdigung zusammensitzen.

„Ja, es ist mir wichtig. Ich habe etwas zu sagen. Ich habe eine Botschaft“

 

Die letzten Wochen, in denen ich meinen Vater begleiten und meine Mutter stärken durfte haben mich sehr geprägt. Es war eine Zeit, sich andere Fragen zu stellen.

Welche Gefühle begleiten mich? Wie gehe ich mit ihnen um?

Was möchte ich noch sagen? Wann bin ich bereit es zu sagen?

Kann ich loslassen? Welche Gedanken, welche Erinnerungen werden zurückbleiben?

 

Die Tage kurz vor und nach dem Tod meines Vaters zeigten mir, dass diese Fragen nur der Anfang waren.

Das Leben hatte noch eine besondere Prüfung für mich und die sollte mich an meine Grenzen bringen.

 

Wie die Steine einer Bauruine, die von einem Abrissbagger zerlegt wird, fliegen die Gefühle durch meinen Körper. Hart, schwer, verletzend und nicht kontrollierbar.

Ich bin wütend, einsam und enttäuscht. Verbittert, voller Zweifel und zudem völlig erschöpft.

Angeschlagen, wie ein Boxer in Runde 9, der gerade angezählt wird.

Mein Gegner? – nicht greifbar. Es ist die komplexe Situation, meine Gedanken und Gefühle!

 
 

Nach einigen Stunden Chaos in meinem Kopf beruhige ich mich. Vielleicht bin ich nur müde geworden. Ich sitze auf dem Fußboden. Meine Augen sind angeschwollen, mein Blick trübe. Kraftlos.

In meiner Stille höre ich eine tiefe und irgendwie wohlwollende Stimme – und sie fragt mich:

 

„Na Mario, wer hilft dir in dieser Phase tiefster Verzweiflung?“

„wer sieht dich, wer hört dich in deiner Hilflosigkeit?“

 

„Na Mario, wem willst du die Schuld für deine Situation geben?

„und Mario, hilft es dir, wenn du Schuldige suchst?

 

„Mario, was wirst du tun, um wieder in deine Kraft zu kommen?

„und Mario, welche Entscheidungen wirst du jetzt treffen?

 

Wenn ich jetzt an diese Tage zurückdenke, fühle ich direkt wieder meine damalige Hilflosigkeit. Doch ich spüre mich auch wachsen. So folgt meiner Machtlosigkeit Entschlossenheit.

Damals habe ich meine Werte neu festgelegt und mich entschieden, dass ich mich nie mehr so hilflos fühlen möchte.

 

In der Kirche, am Sarg meines Vaters konnte ich folgende Worte finden:

 

„ich bin dankbar,

für die Dinge, die mir Papa beigebracht hat,

für die Zeit, die wir gemeinsam erlebt haben,

für die Momente, wo ich ihn gebraucht habe und er für mich da war

und für die letzten Wochen, in denen ich ihm genau das sagen konnte“

 

„In diesen Wochen habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen,

Verantwortung für meine Gedanken,

Verantwortung für meine Gefühle und

Verantwortung für mein Handeln“

 

„Glaubt mir, jetzt verstehe ich einiges besser, von dem, was er mir versucht hat, zu vermitteln.“

 

Mir ist klar, dass man sich auf bestimmte Momente nicht wirklich vorbereiten kann. Doch ich weiß, dass man gut gerüstet sein kann. Ich glaube, dass ich Gutes tue, wenn ich dieses Rüstzeug nicht nur meinen Kindern, sondern auch vielen anderen Menschen mit auf dem Weg gebe.

 

Fühlst du dich gut gerüstet, für die Aufgaben in deinem Leben?